|
14.07.09
Abnehmen ohne Qual
Ich habe meine ganz eigene Abnehm-Methode entwickelt. Das ist genau die Methode „Friß die Hälfte“, nämlich in meinem Falle: jeden zweiten Tag nix zu essen. Ausnahme: nach dem Samstag-Freßtag folgt erst der Dienstag-Freßtag. Es gibt also 3 Freßtage: Di, Do, Sa und 4 non-Freßtage.
(Siehe desweiteren unten die Anmerkung).
Nun ist die Sache aber trotzdem nicht ganz einfach. Die Methode habe ich schon lange drauf, doch habe ich sie konterkariert durch ‚kleine’ Einlagen an den Nichtfreßtagen. Das waren dann zum Teil Sauf-Tage mit Bier & Nüssen, Wein & Nüssen oder mit Wasser und Salzknabbereien. – M.a.W.: ich wurde trotzdem – oder gerade deswegen – immer fetter & fetter & fetter.
Nun kam ich ‚zufällig’ auf eine Abnehm-Website, die sehr vorsichtig zu Werke ging – und was ich da plötzlich kapierte, war: Es spielt sich alles im Geiste ab. Das hat mir gefallen. Abnehmen muß kein Programm der Zwangsrationierung sein, sondern es ist in Wahrheit (für mich jedenfalls) eine Sache des Geistes.
Und jenes Prinzip ist mir mittlerweile gut genug bekannt: auf mich selbst zu achten, wohin meine Phantasien gehen. Das kenne ich von meiner langjährigen Auseinandersetzung mit der Sexualreligion und der Pornographie her. Da wurde mir auch irgendwann (eigentlich erst ziemlich spät) klar: Verlier dich doch nicht hemmungslos in irgendwelche Phantasien, die dir – aus welchen Gründen auch immer – jetzt kommen. Versuche, dazu Distanz herzustellen (wie auch immer). Da ich mir mittlerweile auch die entsprechende Weltanschauung aneignete, hatte diese Kontrolle (weitgehend) tadellos – und eigentlich ziemlich zwanglos – geklappt.
Und genau dieses Prinzip der Kontrolle über die Phantasien wendete ich nunmehr auf die Freßgelüste an. Dabei war mir schlagartig sofort klar, daß eine Menge meiner täglichen ‚Glücksphantasien’ dem Fressen gewidmet waren. Diese Phantasien waren also das eigentliche wahre Problem. Nachdem mir dies klar wurde, war es mir endlich ein Leichtes, gegenzusteuern: Sobald solch eine Freßphantasie auftauchte wurde sie bekämpft. Erstens wurde sie negiert: Du giltst jetzt nix (bestenfalls erst an einem Freßtag). Sodann durch eine Gegenphantasie ersetzt: Was gibt es Kreativeres statt Fressen & Saufen zu tun? – Und das wurde dann auch verwirklicht.
Wenn ich etwas unentschlossen in den Seilen hing an meinen Nicht-Freßtagen, so schob ich das auf das ‚Burning-Problem’: Dein Körper burnt jetzt Fette weg und da stecken viele Giftstoffe drin, die die Leber verarbeiten muß, und die dich deswegen schlaff machen. Auch habe ich das Gefühl, unangenehmen Schweißgeruch zu produzieren. Besonders wenn der Urin eigenartig stinkt (etwa nach Sauerkraut), habe ich eine Art Triumphgefühl: Aha, jetzt kommt der Dreck raus, das Burnen funktioniert. Wenn ich dann manchmal so schlaff dalag, akzeptierte ich das (normalerweise hätte ich jetzt gefressen und gesoffen, wäre also ‚aktiv’ gewesen) und horchte in mich hinein: wurde da nicht gerade wieder ein Fettplacken irgendwo weggeburnt?
Statt Freßphantasien erlaube ich alle Gegenphantasien, die den Rahmen des Realismus nicht verlassen. Z.B. Vorstellungen, wie es sein würde, wenn mir meine früheren Klamotten wieder passen würden, die mir mittlerweile zu eng wurden. Zu welchen Stufen ich da heruntersteigen könnte, wage ich mir kaum auszumalen (ich habe übrigens noch fast alle meine Klamotten von früher in diversen Koffern!).
Was ich diesmal unterließ war es, mir auszurechnen, wann ich welches Gewicht erreichen würde. Das hatte ich früher (vor 10 Jahren) schon mal gemacht - und es ist mir in sehr unangenehmer Erinnerung, weil ich ja damals, nach einer erfolgreichen kurzen Phase, dann anschließend immer fetter & fetter & fetter wurde. (Jo-Jo-Effekt). Dabei spielte wohl der Gedanke eine tragende Rolle: Siehst du, wenn du willst, kannst du abnehmen! – Das ist in gewisser Hinsicht ein tödlicher Gedanke, weil er dich zwingt, bis an deine äußersten Fettpolster-Grenzen zu gehen. So war es ja bei mir auch mit dem Rauchen. Ich hatte in den 60er Jahren manchmal 3 verschiedene Packungen Zigaretten gleichzeitig in der Tasche (z.B. Rothhändle, Players Navy Cut und „Nasse Futt“) – und rauchte wie ein Schlot. Dann las ich einen wissenschaftlichen Artikel über die Schädlichkeit des Rauchens und stellte dasselbe ein. Das dauerte tatsächlich 2 glückliche Jahre. Doch dann im Jazz-Club in Frankfurt 1967 war ein Qualm wie in einer Kokerei, da überkam mich eine selige Erinnerung an meine frühere Raucherzeit. Seitdem rauchte ich – mit kleinen Unterbrechungen, weil ich ja wußte: ich kann aufhören, wenn ich will – weitere 40 Jahre. Nach dem Motto: Rauchen aufzuhören ist ganz einfach, ich hab das schon 100 mal gemacht.
So, nun sind 1 ½ Monate vergangen und ich habe immerhin 7 Kilo abgenommen. Meine tolle Waage, die jahrelang nur zur Zierde neben dem Klo herumstand, hatte mein Körpergewicht gerade noch mit letzter Kraft erfaßt, sie stand über dem letzten ‚offiziellen’ Ausschlag (135 kg) aber immer noch nicht ganz bis zum Knall-Anschlag: sie stand am äußersten Meßpunkt, auf ca. 138 kg. Bundeskanzler Kohl hätte vermutlich anerkennend genickt („Mußt mehr Saumage esse!“). Jetzt sind es gottseidankerweise ‚nur noch’ 131 kg.
Und so soll es auch immer weitergehen.
Über den weiteren Erfolg wird hier ab- und zu lfd. berichtet – bei Mißerfolg wird die site gelöscht – was aber hoffentlich nicht der Fall sein wird. - Man muß sich nur mal klar machen, daß ich Tag für Tag 50 kg zuviel mit mir rumschleppe. Also einen richtigen großen Zementsack für Männer oder ca. 4 Sprudelkisten mit je 12 vollen Literflaschen für Frauen. - Wer würde sowas (freiwillig!) ständig die Treppe hochschleifen und durch die Wohnung damit rumlaufen - und überhaupt - durch die Stadt, ins Auto, ins Flugzeug, ins Cafe, an den Strand damit.
___________________________________________________________
Disclaimer:
Hier muß unbedingt noch eine Anmerkung hinein. - Diese Abnehm-Methode richtet sich an Leute (wie mich), die keinerlei Interesse haben, irgendwie fettarm zu essen, noch sich Hemmungen aufzuerlegen, sich bis zum Anschlag vollzufressen (z.B. mit Gänsebraten, Soße & Klößen und anschließend Schokolade beim Fernsehen).
|